Kommentar zum Sonntagsevangelium am 23.12.2012 - Lk. 3,10-18

Maria besucht ihre Verwandte Elisabeth

Das heutige Evangelium ist ein winziger Abschnitt aus der Kindheitsgeschichte des Lukas. Nur er und Matthäus erzählen von der Kindheit Jesu, beide auf sehr verschiedene Weise.

Lukas hat die Geburtsankündigung und die Geburt vom Täufer Johannes und von Jesus in einer Erzählung kunstvoll miteinander verbunden. Er erzählt, wie jeweils ein Engel die Geburt beider Kinder ankündigt, wie die beiden schwangeren Frauen einander begegnen, wie beide Kinder geboren werden, wobei Wunderbares geschieht, und was ihre Geburt für die Menschen bedeutet. Seine Erzählung ist nicht historisch, sondern vor allem theologisch zu lesen. Lukas geht es darum, erzählerisch vom Kommen des Messias zu sprechen, dessen Ankunft von Johannes vorbereitet wird. Dieser betont mehrfach, wie gering er neben dem großen Messias ist.

Das heutige Evangelium erzählt, wie die beiden werdenden Mütter einander begegnen. Maria hat von dem Engel erfahren, dass sie einen Sohn bekommen wird. Dieser hat ihr auch mitgeteilt, dass ihre Verwandte Elisabeth trotz ihres Alters schon im 6. Monat mit einem Sohn schwanger ist. Er hatte dazu gesagt: Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Damit spielt er auf Sara, die alte Frau Abrahams an, die in ihrem Alter doch noch ein Kind empfangen hat (Genesis 18,14). So verknüpft Lukas die Tradition des Alten Testaments mit Jesus.

Lukas hält sich nicht damit auf, zu erzählen, wie die Reise organisiert ist, wer die allein reisende Maria vielleicht begleitet. Ihm ist allein wichtig, von der Begegnung der beiden Frauen zu erzählen, um die zukünftige Bedeutung des Messias herauszustellen. Johannes scheint Jesus schon im Mutterleib zu erkennen. Denn der 6 Monate alte Embryo hüpft freudig auf, als er die Stimme Marias erkennt. Und auch Elisabeth kann, von heiligem Geist erfüllt, laut verkünden, dass Maria mit dem Herrn, dem Kyrios, schwanger ist. Schon vor seiner Geburt erkennt Elisabeth dieses Kind als ihren Herrn, den Kyrios. Elisabeth scheint auch von der Verkündigung an Maria zu wissen; denn sie preist Marias Glauben an das, was sich jetzt erfüllt.

Wenn wir der Erzählung als solcher folgen, erkennen wir schnell, dass sie nur ein Rahmen ist für Aussagen über den Kyrios und seine Mutter. Lukas will dem Leser von Anfang an zeigen, welche Heilsbedeutung das Kind Jesus hat. Der Leser soll das von Anfang an wissen, wenn er mit der Lektüre des Lukasevangeliums beginnt. Deswegen ist es unverständlich, dass der Lobpreis Marias anlässlich des Besuchs bei Elisabet nicht mehr zum heutigen Evangelium gehört V46-56. Er ist unserer Bibel so wichtig, dass sie in der Fußnote eine 2. Übersetzung dieses Magnificats angibt. 

In ihm preist Maria Gott, ihren Retter, der auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut hat. Deswegen werden alle Geschlechter sie preisen. - Hier haben wir in der Bibel den Beginn der Marienverehrung. Über die Großtaten, die der Messias vollbringen wird, sagt Maria auch viel. Sie kündigt einen Retter an, der mit Macht auftritt und zum Heil seines Volkes Israel einiges gewaltsam ändert. Vielleicht mögen Sie das in der Bibel ein wenig weiterlesen.

Mathilde Bockholt

 
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