Kommentar zum Sonntagsevangelium am 09.12.2012 - Lk. 3,1-6

Im Lukas-Evangelium kündigt Johannes das Kommen des Messias an. Das Evangelium beginnt sehr feierlich. Anscheinend wird ein ganz besonderes Ereignis angekündigt, das in Beziehung zum Weltgeschehen gesehen wird. Der mächtigste Mann der Welt, Kaiser Tiberias, wird genannt, dann Pontius Pilatus als sein gefürchteter Statthalter in Judäa, dann Herodes als Teilherrscher von Roms Gnaden und die weiteren kleineren Fürsten von Roms Gnaden, schließlich der alte, aber weiter einflussreiche Hohepriester und sein Schwiegersohn als amtierender Hoherpriester.

Nach dieser Einleitung erwartet man etwas Weltbewegendes und ist vielleicht erst einmal irritiert, dass dann von Johannes in der Wüste die Rede ist, der von Gott berufen wird. Er ruft zu einer Taufe  auf Umkehr hin, zur Vergebung der Sünden. -  Unsere Bibel übersetzt: Er verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Diese Taufe ist ein Zeichen auf Umkehr und Sündenvergebung hin. Johannes sagt 3,16 selbst, er taufe nur mit Wasser, der Stärkere nach ihm taufe mit Heiligem Geist und Feuer.

Merkwürdig wirkt zunächst das Jesaja-Zitat, das  mit Johannes' Predigt in Zusammenhang gebracht wird und als Erfüllung eines Jesaja-Wortes gedeutet wird. Er, Johannes, ist anscheinend derjenige aus der Wüste, der das Kommen des Herrn, des Kyrios, ankündigt und das ganze Volk aufruft, diesem Herrn seinen Weg und seine Ankunft so leicht zu machen, wie es eben geht, ihm alle Hindernisse des mühsamen Wegs aus dem Weg zu räumen.

Lukas nimmt hier die Ankündigung des  zweiten Jesaja auf. Dieser verheißt nach all den Katastrophen, die das Volk Israel getroffen hat,  Jahwe als König, der als Hirt sein Volk wieder weiden wird (Jesaja 40,1-11). Lk wählt die Verse 3-5. Er liest Jesaja auf Griechisch. Dort steht, anders als im hebräischen Text, wörtlich: Und alles Fleisch wird das rettende Tun Gottes schauen. Unsere Bibel übersetzt: Und alle Menschen werden das Heil schauen, das von Gott kommt.

Lukas glaubt, dass diese Ankündigung sich in Jesus erfüllt. Sie gilt  nicht nur dem Volk Israel wie bei Jesaja, sondern Menschen in aller Welt. Jetzt versteht man die feierliche Ankündigung des Anfangs. Mit dem Kommen Jesu geschieht Weltgeschichte. Die Potentaten, die alle aufgezählt werden, sind unwichtig neben dem neuen Kyrios Jesus. Das Jesus-Ereignis aber geschieht in der Zeit. Es ist ein historisches Ereignis. Wir Menschen können seine Bedeutung  trotzdem nur glaubend erfassen.

Mathilde Bockholt

 
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