Kommentar zum Sonntagsevangelium am 23.09.2012 - Mk. 9,30-37

Jesu Botschaft ist sehr aktuell

Schon am letzten Sonntag erfuhren wir im Evangelium Mk 8,27-35, wie Jesus seine Jünger auf sein Todesgeschick in Jerusalem vorbereitet. Aber seine engsten Gefährten können damit gar nicht anfangen.

Im heutigen Evangelium ist Jesus schon Richtung Jerusalem unterwegs. Zum 2. Mal spricht er von seinem bevorstehenden Tod. Hier spricht er davon, dass er – wörtlich - den Händen der Menschen ausgeliefert werde. Sie würden ihn töten, aber er werde auferstehen. Wieder verstehen seine Gefährten seine Worte nicht, haben aber Angst, ihn danach zu fragen.

Sie sind auch mit etwas ganz anderem beschäftigt, nämlich mit der eitlen, aber sehr menschlichen Frage, wer von ihnen der Größte sei. Jesus bekommt mit, wie sie sich unterwegs darüber unterhalten. Wie muss es ihn getroffen haben, dass seine engsten Vertrauten kein Ohr für sein Schicksal haben, nicht einmal nachfragen, sondern sich mit solchen Eitelkeiten beschäftigen. Er gibt es auf, sie mit Worten allein zu belehren, sondern nimmt eine Zeichenhandlung zur Hilfe. Er  will ihnen klar machen, dass es bei ihm um eine totale Umwertung vieler  gängiger Werte geht. So sagt er: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte sein, und der Diener aller.“ Und er demonstriert diesen Satz, indem er ein Kind in ihre Mitte stellt, es in die Arme schließt und ihnen sagt, welche Wichtigkeit dieses kleine Kind hat. Dabei steht das Kind hier für die Armen, die Schwachen, die Unbeachteten. Jesus sagt sehr deutlich, seine Fürsorge, seine Liebe gelte diesen Menschen. Und, wer sich in seinem, also Jesu Namen, um solch ein Kind kümmere, der nehme gleichsam ihn selbst, ja sogar seinen Vater auf, der ihn gesandt habe. - Im griechischen Text steht es schärfer: Wer ein solches Kind aufnimmt, nicht mich nimmt er auf, sondern den, der mich gesandt hat.

So stellt Jesus die übliche Herrschaftsordnung auf den Kopf. Seine Jünger reagieren auch jetzt nicht auf seine Ankündigung. Bei der 3.Leidensankündigung (Mk 10,32-34) ist es ähnlich. Hier betont Jesus wieder, dass derjenige, der der Erste sein wolle, der Sklave aller sei. Er, Jesus, lebe genau das vor. Er sei nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.

Im Leitartikel der FAZ vom Montag, dem 17.9., zeigt sich, wie aktuell diese Botschaft Jesu ist. Rainer Hermann schreibt hier wörtlich: Das Oberhaupt der katholischen Kirche zeigte den Christen und Muslimen im Nahen Osten den Frieden und die Demut als Gegenentwurf zu der Gewalt, in deren Griff sich die Region befindet. Und weiter: Mit Christus erscheine das Leiden aber in neuem Licht. Denn Christus habe den Menschen die Hoffnung gegeben, dass Leiden und Unrecht nicht das letzte Wort seien. Der Artikel endet mit dem Satz: Papst Benedikt ist im Libanon auch deshalb von den Christen und Muslimen gefeiert worden, weil er imperialen Herrschaftsattitüden die christliche Demut entgegengesetzt hat.

Genau darum geht es Jesus im letzten und im heutigen Evangelium, auch in der dritten Leidensankündigung Mk10, 32-45.

Mathilde Bockholt

 
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