Pfarrpatron & Geschichte

Die heilige Elisabeth und die Bonner Pfarrgemeinde St. Elisabeth

Elisabeth wurde am 7. Juli 1207 als Tochter Königs Andreas II. von Ungarn und seiner Frau Gertrud von Kärnten-Andechs-Meran auf Burg Sárospatak geboren und mit dem Landgrafensohn von Thüringen verlobt, in dessen Familie sie ab ihrem vierten Lebensjahr erzogen wurde. Der thüringische Hof war nicht nur im europäischen Mächtespiel bedeutsam, sondern galt auch als kultiviert: Hermann von Thüringen war neben dem Herzog von Österreich einer der wichtigsten Förderer der Dichter und Minnesänger des Hochmittelalters. Sowohl Walther von der Vogelweide, Heinrich von Veldeke als auch Wolfram von Eschenbach lebten eine Zeitlang am thüringischen Hof.
Schon früh scheint Elisabeth durch eine besondere Frömmigkeit neben ihrer auffallenden Schönheit beeindruckt zu haben. 1221 heiratete sie, kaum 14. Jahre alt, der kurz zuvor Landgraf gewordene Ludwig IV. Die Ehe, der drei Kinder entstammten, war überaus glücklich, da beide Ehegatten sich in ihrer Eigenart schätzten und stützten. Elisabeth neigte zunehmend dem franziskanischen Lebensideal zu, nachdem sie bereits 1225 eines der ersten Franziskanerklöster in Deutschland in Eisenach angesiedelt hatte. Radikale Besitzlosigkeit, selbstlose Armen- und Krankenpflege stießen jedoch in der Familie der Ludowinger auf Skepsis, nur dir schützende Hand Ludwigs verhinderte zu dessen Lebzeiten die Katastrophe. Nachdem der Landgraf jedoch auf dem Fünften Kreuzzug gestorben war, versuchte dessen Bruder Heinrich Raspe Elisabeth in die Schranken zu weisen. Die Witwe verließ die Burg Eisenach, die erst Ludwig zur Residenz ausgebaut hatte, und irrte zunächst ohne jedes Einkommen durch Stadt und Land, von allem aus Furcht vor dem neuen Herrscher gemieden.

Zuflucht fand Elisabeth erst bei einem Onkel mütterlicherseits, dem Bischof von Bamberg, der sie wohl mit Kaiser Friedrich verheiraten wollte. Nach der endgültigen Bestattung Ludwigs, der aus Otranto überführt worden war, erhielt Elisabeth ihr Witwengut, mit dem sie in Marburg ein neues Hospital gründete, in dem sie bis zu ihrem Tod Krankendienst tat. Wichtig war in ihren letzten fünf Lebensjahren insbesondere die geistliche Leitung des Prämonstratenser-Beichtvaters Konrad von Marburg. Seine als übertrieben beschriebene Strenge beantwortete Elisabeth mit einer außergewöhnlich frohen Loslösung von allen materiellen und spirituellen Gütern. Erkrankt im November 1231 soll die Heilige „ihre letzten Tage von kindlicher Heiterkeit überstrahlt“ verlebt haben. Elisabeth starb mit 24 Jahren und wurde vier Jahre nach ihrem Tod an Pfingsten 1235 durch Papst Gregor IX. in Perugia heiliggesprochen. Über 50 Prozent der für die Heiligsprechung dokumentierten Heilungswunder hat sie an Kindern und Jugendlichen gewirkt.

Zu Elisabeths Attributen gehört insbesondere der Brotkorb, der sich in einen Korb mit Rosen wandelt. Das Rosenwunder ist jedoch nicht in ihrer Lebensbeschreibung enthalten. Zudem ist wenig wahrscheinlich, dass Ludwig seiner Frau entgegengetreten sein soll, um sie an der Verteilung von Brot unter die Armen zu hindern. Allerdings spricht die wohl aus anderem Zusammenhang entlehnte Legende eine tiefe Wahrheit über Elisabeth aus, ihre bedingungslose Liebe zu den Armen und Notleidenden.

Die ihr geweihte Elisabethkirche in Marburg ist die erste gotische Kirche in Deutschland. Die Erhebung ihrer Gebeine fand im Beisein Kaiser Friedrichs II. statt. In der Reformation sollten ihre sterblichen Überreste vernichtet werden, doch dem Ungehorsam des Statthalters Georg von Kolmatsch ist es zu danken, dass Reliquien ex ossibus erhalten blieben und dass das von Kaiser Friedrich gekrönte Haupt in das Elisabethinnen-Kloster nach Wien gelangte.

Die Bonner Elisabethkirche errichtete man zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einem verlandeten Rhein-Nebenarm für das neu entstandene Jugendstil-Gründerzeitviertel an Argelanderstraße, Bonner Talweg, Schumann- und Reuterstraße, dem noch eine Pfarrei als Herzmittelpunkt fehlte. Man wählte als Patronat zwischen St. Martin in der Stadtmitte und St. Nikolaus in Kessenich das der heiligen Elisabeth. Damit ergänzte das Patronat des hl. Nikolaus für die Kaufleute, Seefahrer und Bäcker und des hl. Martin für die Soldaten, Gefangenen und Winzer (aber auch der Abstinenzler), die Schirmherrschaft Elisabeths für die Witwen und Waisen, die Bettler und Kranken sowie die unschuldig Verfolgten und Notleidenden. Heilige der Mildtätigkeit strahlten zum Bonner Süden hin aus.

St. Elisabeth gewährt 2.200 Personen auf Sitz- und Stehplätzen Raum, größtenteils mit freier Sicht auf Hauptaltar und Kanzel. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 18. November 1906. Hundert Jahre später erhielt die Pfarrei als Geschenk des Kölner Erzbischofs, Joachim Kardinal Meisner, eine Reliquie der hl. Elisabeth aus Wien, die er mit einem Gebet in den Elisabeth-Altar einsetzte. Am Ende der vierjährigen Bauzeit wurde die Kirche am 2. Februar 1910 konsekriert und zwei Jahre später zur Pfarrkirche erhoben. Erst 1922 wurde das Gotteshaus mit der Fertigstellung des Josephsaltars am südöstlichen Vierungspfeiler endgültig fertiggestellt.

Die Bonner Elisabethkirche ist eine der sehr wenigen noch in dieser Form erhaltenen Stadtpfarrkirchen ihrer Zeit im Rheinland und stellt als besonders eindrucksvolles Beispiel neuromanischer Architektur ein kunst- und kulturgeschichtlich bedeutendes Baudenkmal von hohem Rang dar. Der Architekt Ludwig Becker wollte mit seiner Kenntnis und Rezeption romanischer Bautradition nicht überlieferte Formen nachahmen, sondern eine neue Synthese schaffen und damit ein neues, geschlossenes Gesamtbild. Die mit Ausnahme der kriegszerstörten Fenster detailreich erhaltene Innenausstattung der Kirche offeriert ein Innenraumensemble, an dem sich die sakrale späthistoristische Raumkonzeption einer Kirche außerordentlich vollständig betrachten lässt.


Heilige Elisabeth,
du hast den Armen Brot
und den Trauernden Trost geschenkt.
Du hast Mut aus Liebe bewiesen.
Hilf uns,
ebenso mutig zu sein,
damit wir die Not der Menschen um uns herum sehen und lindern.
Hilf uns,
ebenso mutig zu sein,
damit wir um Hilfe bitten, wo wir ihrer bedürfen.
Hilf uns,
ebenso mutig zu sein,
damit unser Leben auf Christus aufbaut, den einzig tragenden Grundstein.
Sei du unsere Fürsprecherin,
dass wir Menschen voller Glauben werden:
damit in Kirche und Welt viele die Ehre Gottes suchen und unseren Herrn Jesus Christus anbeten.
Sei du unsere Fürsprecherin,
dass wir Menschen voller Hoffnung werden:
damit niemand sich, von Glanz und Gloria verführt, mit der eigenen Sattheit zufriedengibt.
Sei du unsere Fürsprecherin,
dass wir Menschen mit Herzen voller Liebe werden:
damit unsere tagtägliche Antwort auf Gottes Anruf nicht kalt ausfällt und wir Zeichen Seiner liebevollen Anwesenheit in jedwedem Alltagsgeschehen sind.
Dann werden auch die Ärmsten der Welt stets die Sanftmut des menschenfreundlichen Herzens Jesu erfahren
und an Leib und Seele gesättigt sein.
Amen.

 

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