Kommentar zum Sonntagsevangelium am 18.11.2012 - Mk. 13, 24-32

Markus erschreckt und ermahnt die Christen seiner Zeit

Das heutige Evangelium ist unheimlich. Was wird da alles angekündigt? Es scheint um das Ende der Welt zu gehen. Denn Sonne und Mond scheinen nicht mehr, die Sterne fallen vom Himmel. Es ist so, als wolle Gott seine Schöpfung vernichten. Solche Erscheinungen werden im Alten Testament öfter angekündigt, bei Jesaja 13, 10  u. 34,3, auch in Joel 2,10 und Daniel 7,13.

Sie künden stets das Kommen Gottes zum Gericht an. Hier kündigt Markus als Wort Jesu an, dass der Menschensohn, also Jesus, mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken erscheinen werde und die von ihm Auserwählten von Engeln aus der ganzen Welt zusammenführen werde.

Markus war wie viele  Menschen seiner Generation davon überzeugt, dass er die endgültige Wiederkunft Jesu erleben würde. So ermahnt er die Gemeinde, wachsam zu sein und sich auf dieses Ereignis vorzubereiten.  Er spricht wie die Propheten vor ihm von großen Schrecken, die der endgültigen Wiederkehr des Menschensohns vorhergehen werden. Mk schaut zurück auf den Krieg mit den Römern und die Zerstörung des Tempels. So erinnert er in den Abschnitten vor dem heutigen Evangelium an die Schrecken dieser Zeit, die sich, wie er meint, wiederholen werde.

Wieder verweist er auf den Vergleich mit dem Feigenbaum, wie schon in Kap 11,12. Sobald der austreibt, als einer der letzten Bäume, weiß man, dass der Sommer nah ist. Wir hier in Deutschland missverstehen das Bild oft. Für uns ist Sommer eine Zeit der Fülle. Im heißen, wasserarmen Israel ist das anders. Der Sommer ist auch Zeichen für Ende und Tod, weil dann alles verdorrt. In einem hebräischen Wort für Feige qayis sind die Konsonanten identisch mit dem Wort für Ende qes. So kommt es, dass mehrmals im Alten Testament mit dem Symbol Feige auf  Ende, Tod hingewiesen wird. In Amos 8,2 wird dem Propheten ein Korb mit Sommerobst, also Feigen, gezeigt, der auf das Ende des Volkes Israel hindeuten soll. Auch Jesaja spricht in Kap 34,4 davon, dass der ganze Himmel sich zusammenrollt, wie Früchte, die am Feigenbaum schrumpfen. Mit dem Wort qayis = Feige kann man vieles zusammen  assoziieren: die Frucht, Sommer, Ende und Tod. Gleichzeitig kann man auf entsprechende Unheilsankündigungen im AT hinweisen. Wir sehen an diesem Beispiel, wie eng miteinander verwoben biblische Texte sein können.

Markus schreibt diese Mahnungen unmittelbar, bevor er vom Todesgeschick Jesu schreibt. Er erwartet  die Wiederkehr Jesu bald danach. Dabei irrt er sich. Die baldige Wiederkunft Jesu  verzögerte sich immer weiter. Das war für die Christen damals ein großes Problem.
Die Mahnungen des Markus sind aber weiter gültig. Wir alle können nicht einfach in den Tag hineinleben. Als Christen glauben wir daran, dass wir nach unserem Tod erwartet werden, uns für unser Leben verantworten müssen und auf die Treue Gottes hoffen dürfen.

Mathilde Bockholt

 
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