Kommentar zur Lesung am 28.10.2012 - Jeremia 31,7-9

Der Prophet Jeremia tröstet das Volk in schweren Zeiten

Jeremia ist der Prophet, über dessen Person wir am meisten erfahren. Er lebt im 6. Jahrhundert. In dieser Zeit ist das Nordreich Israel schon lange in assyrischer Hand. Die führenden Schichten sind deportiert worden. Ihnen schreibt er, ihre Verbannung werde lange dauern und sie sollten sich entsprechend in der Fremde einrichten.

Unermüdlich sagt er im kleinen Königreich Juda, diesem drohe  ein ähnliches Schicksal, wenn es sich gegenüber der neuen Macht Babylon nicht geschickt verhalte. Er redet dem König immer wieder ins Gewissen, nicht auf die Hilfe Ägyptens zu setzen, er beklagt die Verehrung fremder Götter, er kritisiert den Tempelkult, der großartig inszeniert werde, aber einhergehe mit Unterdrückung und Ausbeutung der Schwächsten, der Fremden, der Witwen und Waisen. Er macht sich mit seiner schonungslosen, öffentlichen Kritik bei den führenden Schichten unbeliebt. So bekommt er Predigtverbot im Tempel, er hört aber nicht auf, sich weiter sehr deutlich zu Wort zu melden und auf das kommende Unheil, die Eroberung und Zerstörung Jerusalems, hinzuweisen.

Die 3 Verse der heutigen Lesung sind allerdings ganz anderer Art. Die Kapitel 30 und 31 gelten als das Trostbuch des Jeremia. Nach all dem Unheil, das er immer wieder ankündigt - die Eroberung und Zerstörung Jerusalems, die Deportation der führenden Schichten stehen bevor -, hören wir tröstende Worte, die sich auf die Zukunft beziehen.

In einem Gotteswort kündigt Gott selber an, dass er das Volk nicht im Stich lässt. Er wird ihm Tröster, Führer, Hirt sein, wie Mose in der Wüste. Er wird  die in viele Länder Versprengten sammeln und zurückbringen in ihr Heimatland. Seinem Blick wird kein Versprengter entgehen. Keiner soll an seiner Heimkehr gehindert werden. Auch für diejenigen, die besonderer Fürsorge bedürfen, die Blinden und Lahmen, die Schwangeren und die Wöchnerinnen, allen wird Gott die Heimkehr ermöglichen. Gott ist für sie Vater, fürsorglicher Hirt. Als Ortskundiger wählt er möglichst ebene Wegstrecken aus und kennt natürlich die Bäche, die auch im Sommer Wasser führen.

Hier endet unsere Lesung. In den folgenden Versen werden die Heilszusagen weiter konkretisiert. In V 12 wird auch angedeutet, dass es bald wieder ein gemeinsames Heiligtum für alle geben wird. Die Gaben Jahwes werden verschwenderisch üppig sein.

Mathilde Bockholt

 
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