Kommentar zur Lesung am 30.09.2012 - Genesis 2, 18-24

Adam und seine Frau

Diese Lesung erzählt von der Schöpfung. Sie tut es anders als der Schöpfungshymnus Genesis 1. Unserer Lesung geht voraus, dass Gott durch Wasser das Land fruchtbar gemacht hat und aus diesem Ackerboden, der adamah, ein Wesen erschafft, Adam, den aus Erde, der unter guten Arbeitsbedingungen, Reichtum an Wasser  und Schatten der Bäume, den mittlerweile entstandenen Garten bearbeitet und hütet, wobei er das Tabu,  von einem bestimmten Baum nicht zu essen, einhalten soll. Hier setzt die Lesung ein.


Gott erkennt, dass es für diesen Adam nicht gut ist, allein zu sein, und will ihm eine Gefährtin, eine Partnerin schaffen, die ihm entspricht. Unsere Bibel sagt 'Hilfe'. Aber dabei denken wir eher an Hilfskraft. Hier aber geht es um eine Unterstützerin, die Adam auf Augenhöhe gegenübersteht.

Der Schöpfergott wirkt hier merkwürdig unentschlossen. Denn er schafft erst einmal alle Tiere und zeigt sie dem Adam, der diesen Tieren Namen geben darf. Gott greift bei der Namengebung nicht ein.

Was aber bedeutet das? Wir geben nur Tieren Namen, die wir kennen und mögen. Wenn Adam den Tieren Namen gibt, übernimmt er Verantwortung für sie, auch für die wilden Tiere. Artenschutz wird schon in Genesis 2 vorgeschrieben.  Ich sah letzt auf einem Hof mit vielen Milchkühen, dass alle Kühe neben der vorgeschriebenen Nummer auch einen eigenen Namen hatten, weil die Besitzer es so wollten. So zeigen diese ihren Respekt vor den  Nutztieren  als Geschöpfen.

Aber eine Gefährtin findet Adam unter den Tieren nicht. Der Verfasser betont damit, dass  sie sich sehr deutlich von den anderen Lebewesen unterscheiden muss. - Ob der Verfasser hier vielleicht kritisiert, wie man zu seiner Zeit mit Frauen umging? - Als Gefährtin muss sie vieles mit Adam gemeinsam haben. Und so wird von der Rippe erzählt, die so oft missverstanden wird und Anlass zu Witzen gibt.

Worum geht es hier? Das hebräische Wort zela, das wir mit Rippe übersetzen, ist so eindeutig nicht. Es kann Seite eines Berges, Seitenwand, Langseite der Lade bedeuten, es ist also etwas aus der Seite des Adam, vielleicht aus der Mitte, wo die Rippen beginnen. Der Autor benutzt hier ein anderes Verb als beim Erschaffen der Tiere. Bei ihnen heißt es jazar, formen, aus Erde und Ton. Bei der Erschaffung der Frau benutzt er das Verb banah, das bauen, umbauen bedeutet. Damit betont er, dass die Gefährtin dem Adam in vielem gleicht. Das Skelett ist bei beiden recht ähnlich. Die Unterschiede zeigen sich in der weiteren Gestaltung des Körpers.

Adam ist ganz begeistert, als Gott ihm die Frau zeigt. Er erkennt, wie ähnlich sie ihm ist und ihm deshalb echte Gefährtin sein kann.

In V 24 wird vom Mann, nicht von der Frau, gesagt, dass er  seinen Vater und  seine Mutter verlässt – unsere Bibel sagt nur: er verlässt Vater und Mutter  -und sich an seine Frau bindet. Die starke Bindung an die Eltern gibt er für seine Frau auf. Er geht von zu Hause weg, nicht sie.
Beide werden ein Fleisch. Unsere Bibel betont das ein durch den Kursivdruck, im Hebräischen wird es durch ein eigenes Wort ächad betont. Damit endet die Lesung.
 Leider fehlt der folgende Vers: Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. Hier wird Sexualität als etwas Schönes gesehen, als Geschenk Gottes, das die Zusammengehörigkeit von Mann und Frau durch die  unbefangene sexuelle Freude aneinander bekräftigt.

Mathilde Bockholt

 
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